35 Jahre Gustav Mahler Musikwochen in Toblach


MISSION

Seit 1981 Gustav Mahler Musikwochen in Toblach. 
Ein kleines anspruchsvolles und international anerkanntes Musikfestival in Mahlers Sommerlandschaft, den Dolomiten.
 Gustav Mahlers Tradition und seinem Werk verpflichtet, Ort der Begegnung für Mahlers Musik, Wissenschaft und Diskographie.

1981 - 1993

Die 1. Musikwoche in memoriam Gustav Mahler fand vom 19. bis 26. Juli 1981 statt, damals zu einer Zeit, als Mahler um seinen Platz in der Musikgeschichte noch kämpfen musste. Mit Ugo Duse und Heinz Klaus Metzger konnte man für die ersten drei Jahre zwei hochkarätige künstlerische Leiter verpflichten. 

Von Anfang an war der Musikwoche als „Brandmal“ eine Gratwanderung zwischen künstlerischen Ambitionen und finanziellen Möglichkeiten eigen. Dabei konnte dies aber auch ein Glücksfall werden, wo z.B. die von Arnold Schönberg begonnene und von Rainer Rhien in Toblach zu Ende geführte reduzierte Fassung Mahlers „Lied von der Erde“ hier 1983 uraufgeführt wurde. 

Das Fehlen eines geeigneten Konzertsaales, die dürftigen finanziellen Mittel und die sich nur zögerlich entwickelnde Akzeptanz seitens der einheimischen Bevölkerung brachten das Komitee immer wieder ins Wanken. Schließlich übernahm im Jahr 1986 – nach einem Intermezzo durch Quirino Principe – Prof. Henry-Louis de La Grange die künstlerische Leitung. Mit dem jungen Bariton Thomas Hampson, einem Auftragswerk an Luciano Berio, mit Erwin Ringel als Referenten und der französischen Elite der Kammermusik gestaltete Prof de La Grange eine nicht vergessene Veranstaltungsreihe. Lokales Kirchturmdenken und de La Granges künstlerischer Anspruch widersprachen sich, und so ging eine wichtige Chance verloren.  

Hubert Stuppner wurde nun für die Jahre 1987 bis 1990 zum künstlerischen Leiter berufen. Im Mittelpunkt seiner Musikwochen standen Mahlers frühe Werke und als Schwerpunkt die 2. Wiener Schule. Im Umkreis von Mahler bewegten sich aber auch Werke des Expressionismus und immer wieder „Das Lied von der Erde“. Und 1990 stand der spätere Weltstar Thomas Quasthoff mit Mahler-Liedern am Podium.

Ab 1991 übernahm für drei Jahre Rainer Keuschnig die künstlerische Leitung, während Attila Csampai das neue definierte Mahler-Protokoll und den Schallplattenpreis „Toblacher Komponierhäuschen“ ins Leben rief. Während Keuschnig sein Konzept des „Composers in residence“ mit der Anwesenheit von bedeutenden Komponisten wie Franco Donatoni, Wolfgang Rihm und Salvatore Sciarrino in Toblach umsetzt, begründet Csampai mit seinen „Interpretationsvergleichen“ und dem Schallplattenpreis eine neue Tradition der wissenschaftlichen Betrachtung Mahlers Werk und dessen Interpretation. 

1994 - 2009

Im Jahr 1994 übernahm schließlich der Toblacher Josef Lanz die künstlerische Leitung. Sein Anspruch war es von Beginn an, die einheimische Kreativität und Kultur verstärkt in die Gustav Mahler Musikwochen mit einzubeziehen. So verpflichtete er u.a. Werner Pirchner als Composer in Residence, plante Ausstellungen und Uraufführungen gemeinsam mit dem Südtiroler Künstlerbund, plante Uraufführungen von Auftragswerken Südtiroler Komponisten,  leitete aber auch eine thematische Annäherung zwischen Musikprogramm und Mahler Protokoll ein. „Mahler und die Natur“, „Mahlers Popularität“, „Mahler und der Film“ standen als zum Teil auch unerforschte „Mahler-Themen“ im Fokus der Musikwochen. Und immer wieder standen besondere Projekte im Programm: 1997 war es die im Auftrag der Mahler Musikwochen vom amerikanisch-kubanischen Komponisten George Lopez verfasstes Werk „Traumzeit und Traumdeutung, Sinfonische Aktion für Instrumentalisten im Bergraum“, welches in der Nähe der Zsigmondy-Hütte in den Sextner Dolomiten uraufgeführt wurde. Unvergessen blieb auch das Nachtkonzert am Komponierhäuschen in Altschluderbach von Uri Caine und Freunden im Jahr 1998, sowie sein Konzert „Mahler in Toblach“ dessen Live-Mitschnitt als CD von Winter&Winter international Aufsehen erregt hat. 

Noch ganz Baustelle, aber mit dem benutzbaren neuen „Gustav Mahler Saal“ im ehemaligen Grandhotel Toblach aus der Zeit der k&k-Monarchie, eröffneten 1999 die 19. Gustav Mahler Musikwochen in neuem Ambiente. Das Jahr 2000 brachte schließlich die Ausdehnung auf 4 Wochen. So entwickelte sich langsam ein vielschichtiges Programm. Von 2000 bis 2004 konnte das Mahler Chamber Orchestra als Orchester in Residence gewonnen werden, dessen Konzerte unter der Leitung u.a. von Daniel Harding, Marc Minkowski oder Alan Gilbert sicher zu den Glanzlichtern dieser Jahre gehörten. Aber auch das Orchestra la Fenice (unter der Leitung von Eliahu Inbal), die Staatskapelle Weimar unter George Alexander Albrecht, die Aufführung Mahlers Neunte mit dem Bundesjugendorchester unter der Leitung von Roberto Paternostro waren Höhepunkte dieser Jahre. 

Bei den Mahler Protokollen unter der Leitung von Attila Csampai wurden Fragen zur Interpretation Mahlers Werk von namhaften Persönlichkeiten der Mahlerforschung behandelt. So waren in den Jahren von 2001 bis 2006 u.a. Constantin Floros, Jonathan Carr, Quirino Principe, Jens Malte Fischer, Iso Camartin oder Gilbert Kaplan Gast in Toblach. Hinzu kamen ab 2004 die „Toblacher Mahler – Gespräche“ die in Zusammenarbeit mit der internationalen Gustav Mahler Gesellschaft und unter maßgeblicher Mitwirkung dessen Vize-Präsidenten Prof. Erich Wolfgang Partsch gestaltet wurden, wobei immer wieder spannende Themen wie „Mahler und Hans Roth“, „Mahler und die sowjetische Musik“, „Mahler und Jazz“ oder „Mahler als Bearbeiter“ aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet wurden. 

Nicht nur zeitlich auch regional erweiterten sich die Gustav Mahler Musikwochen ab 2002: Konzerte in Kooperation mit lokalen Veranstaltern fanden nun auch in Sillian und Heinfels (auf Schloss Heinfels), in Innichen (Stiftskirche), Niederdorf, Welsberg (Schloss Welsperg) und Cortina d’Ampezzo statt.  

Und auch zeitgenössische Musik stand immer im Fokus der Gustav Mahler Musikwochen: Spitzenensembles wie das österreichische Ensemble für Neue Musik, das Ensemble Ricerca, das Ex Novo Ensemble, Windkraft - Kapelle für neue Musik, das Minguet Quartett oder das weltbekannte Kult-Ensemble Kronos Quartett konfrontierten das interessierte Publikum mit Werken bekannter Künstler und nicht selten auch mit Uraufführungen, meist selbst Auftragswerke der Mahler Musikwochen. Auch die Partnerschaft mit dem Gustav Mahler Kompositionspreis in Klagenfurt wollte das Augenmerk der Musikwochen auf die in Klagenfurt prämierten Werke junger Komponisten lenken. 

Ein besonderes Anliegen war seit jeher das Bedürfnis der Mahler Musikwochen jungen Künstlern in Toblach ein Forum zu bieten. Dabei standen Aufführungen Mahlers symphonischer Werke durch Jugendorchester, wie dem schon erwähnten bundesdeutschen Jugendorchester, durch das Symphonierochester der Musikakademie Ljublijana, die Junge Philharmonie Wien, das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, das Wiener Jeunesse Orchester oder die Joven Orquesta de la Comunidad de Madrid, immer wieder im Mittelpunkt der Mahler Musikwochen in Toblach.

2010 – 2014

Besonders aber in den Jahren 2010 bis 2014 haben einige Konzerte großer europäischer Orchester die Gustav Mahler Musikwochen vor eine neue Herausforderung gestellt. Die Konzerte des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin unter der Leitung von Ingo Metzmacher, des Israel Chamber Orchestra unter Roberto Paternostro, der Bamberger Symphoniker mit Jonathan Nott und schließlich (in Kooperation mit den Festspielen Südtirol) die Konzerte des Gewandhausorchesters Leipzig mit dem Stardirigenten Riccardo Chailly, sowie des Mahler Chamber Orchestra unter Daniele Gatti zeigten die Potentiale und Strahlkraft der Mahler Musikwochen an, dessen Selbstverständnis als europäisches Festival mit regionalen Wurzeln damit Bekräftigung gefunden hat. Die wissenschaftliche Betrachtung, nun unter Hubert Stuppner, ist als europäisches Forum für Politik, Geisteswissenschaften und Kunst gedacht, „mit dem Unterschied, dass in Toblach Musisches und Mentales, Ethisches und Ästhetisches, aufeinander treffen sollen, im Sinne Mahlers, der Musik nicht nur als Tröstung und Bekenntnis, sondern auch als eine gültige Aussage über die Welt im Ganzen verstand.“ (H.Stuppner)

Die Musikwochen - Josef Lanz

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